Thessaloniki 2011/12
Samstag, 8. Oktober 2011
Lost in Translation
Nach der überstandenen Einstufungsklausur in der Sprachschule überkam uns das Bedürfnis, Thessaloniki zu verlassen. Aufgrund von Bahnstreik und skurrilen Busverbindungen, entschieden wir uns für ein paar Erholungstage fern ab jeder großen Stadt an den Prespaseen. Diese befinden sich im Nordwesten Griechenlands und gehören ebenfalls zu Mazedonien und Albanien. Bekannt ist das Naturschutzgebiet für seine Artenvielfalt in Flora und Fauna. Das war unser Kenntnisstand vor der Abreise.
Alles fing damit an, dass wir telefonisch ein im Lonely Planet empfohlenes Hotel in Agios Germanos für 2 Nächte buchten und mit dem Bus von Thessaloniki nach Florina, der nächstgelegenen Stadt, fuhren. Spätestens in Florina wurde uns bewusst, dass uns hier etwas ganz anderes als in Thessaloniki erwartet. Zunächst befindet sich diese Stadt inmitten von schroffen Felsen und dichten Wäldern, und auch die urigen Einwohner ließen nicht auf eine Universitätsstadt, was Florina ist, schließen. Es sollte uns dann auch nicht mehr verwundern, dass der Bus, der eigentlich 3x pro Woche nach Agios Germanos und wieder zurück fahren sollte, leider aus Kostengründen von nun an nur noch 1x die Woche fährt. Damit blieb die Frage nach der Rückfahrmöglichkeit erst einmal ungelöst. Nichtsdestotrotz fuhren wir in freudiger Erwartung weiter nach Agios Germanos. Die Fahrt gestaltete sich als äußerst amüsant, da alle Mitreisenden uns begutachteten und tuschelten. Unsere Fahrt ging durch Bergdörfer, die nur selten die Größe von 10 Häusern überschritten. Hier und da stiegen Leute aus, sodass sich der Bus immer mehr leerte, bis schließlich nur noch wir und ein seltsam aussehender Mann mit einer Sense in der Hand übrig blieben. Als dieser dann schließlich gemeinsam mit uns in Agios Germanos ausstieg und uns freundlich die Richtung zu unserem Hotel zeigte, glaubten wir bereits alles erlebt zu haben.
Das Dorf selbst besteht nur aus traditionell gebauten Steinhäusern und befindet sich mitten im Varnoundas Gebirge. Nach dem Einchecken und Beziehen des urigen und gemütlich aussehenden Zimmers entschieden wir uns für eine kleine Wanderung. Noch im Ort gesellte sich ein Hund zu uns, der sich nach kurzem Streicheln entschied, uns von nun an überall hin zu begleiten. Da wir uns direkt bei der ersten Weggabelung für den falschen Weg entschieden, entwickelte sich die gemütliche Wanderung zu einem Abenteuer-Ausflug mit Kletter-Partien. Zu unserer Verblüffung blieb unser Weggefährte nie zurück, sondern ging/kletterte mutig voraus und wies uns des Öfteren den sichersten Weg. Der Ausblick vom Berg ins Tal war der verdiente Lohn. Als wir in der Touristen-Information Tipps für den nächsten Tag holen wollten, trafen wir auf eine verblüffte, aber über Gäste glückliche, Angestellte, die uns voller Enthusiasmus eine halbe Stunde über die Region belehrte.
Mit den ersten Sonnenstrahlen und nach der Stärkung mit einem super Frühstück voller hiesiger Leckereien (Honig, Marmelade, Feta, Pita) ging es mit Mountainbikes auf die wohl anstrengendste Tour des Jahres. Ein Wechsel von steilen Aufstiegen und rasanten Abfahrten, ließen unsere Muskeln und Nerven bis an ihre Grenzen gehen. Auf unserem Weg durch die scheinbar unberührte Natur sahen wir neben Pelikanen, Schlangen und riesigen Eidechsen wunderschöne Dörfer, bedeutende byzantinische Stätten und lernten äußerst herzliche Einwohner kennen. Schlauerweise entschieden wir uns im Tal für ein Markt-Shopping regionaler Spezialitäten, bevor es dann wieder hinauf zu unserem Hotelort gehen sollte. Belohnt für das harte Treten und Schieben haben wir uns mit einem tollen Abendessen in einer hiesigen Taverne. Nach einem solchen Tag schmeckt das Essen besonders lecker.
Wie in Griechenland üblich lösen sich Probleme am besten, wenn man sie ruhen lässt. So meldete sich eine nette Dame bei uns und bot uns eine Rückfahrmöglichkeit in die nahe gelegene Stadt (1h) Kastoria an, was wir natürlich dankend annahmen.
An unserem letzten Tag in Agios Germanos trafen wir auf unsern Freund den Sensenmann, der uns überschwänglich begrüßte und über seinen kleinen "Bauernhof" führte. Dort verköstigte er uns mit Beeren, Nüssen und Äpfeln, zeigte uns eine Blume, die man als Seife benutzen kann, sowie frische Bärenspuren. Spaßig war, als der Mann ein Büschel Brennnesseln ausriss, in den Händen rieb und erklärte, sie würden nicht brennen. Angefeuert von Julia nahm Freddy mutig das Büschel entgegen, drückte es einmal fest zusammen und musste dann, während er sich einen Schmerzschrei verkniff, feststellen, dass auch diese Brennnesseln brennen. Der Mann hatte allerdings die Wahrheit gesagt, da seine Handflächen, aufgrund der harten Arbeit, unempfindlich für Brennnesseln waren. Nach über einer Stunde verabschiedete er uns traurig und rang uns das Versprechen ab, in einem Jahr wieder zu kommen und bei ihm zu wohnen.
Den restlichen Tag verbrachten wir in dem für Pelzhandel und zahlreiche byzantinische Kirchen bekannten Städtchen Kastoria. Auf dem Heimweg stellten wir stolz fest, dass wir die letzten 3 Tage lediglich Griechisch gesprochen haben, da die Menschen dort nur Griechisch konnten. Und siehe da: Wir konnten uns überall verständigen, wenn auch zeitweise mit Händen und Füßen, und wurden überall verstanden. Die Herzlichkeit und Wärme, wie diese Menschen 2 Fremde aufnahmen, wird uns immer in Erinnerung bleiben.

Florina

Herr und Hund

Blick auf Agios Germanos

Immer diese Hundefotos, Juli!

Irgendwo im Nirgendwo

Blick nach Albanien

Sporty-Juli



Wie gemalt!

Die Hauptstraße von Agios Germanos



Von wegen "brennt nicht"!

Ein leckeres nordgriechisches Frühstück

Kirche zum hl. German

Skyline von Kastoria

Altstadt von Kastoria

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